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Im Iran als Frau: „Die Leute wollen, dass sich Gäste wohlfühlen“

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Die Journalistin und Jugendbuchautorin Iris Lemanczyk hat sich auf zwei Reisen in den Iran verliebt. Im jüngsten Interview des Monats erzählt sie von den Herausforderungen, denen Frauen im Land begegnen, und verrät ihre liebsten Ecken.

Weltreiseforum: Der Iran gilt nicht unbedingt als Traumziel für Frauen. Du bist gleich zwei Mal hin. Was macht für dich den Reiz des Landes aus?

Iris Lemanczyk: Der Iran hat viel von dem, was Reisende suchen – oder was ich suche: grandiose Landschaften mit Wüsten und viertausend, fünftausend Meter hohen Bergen, in denen man wandern oder bis in den Mai hinein Skifahren kann. Die 2500 Jahre alte Hochkultur hat beeindruckende Bauwerke hinterlassen. Aber am unglaublichsten ist diese Herzlichkeit der Iraner, die überwältigende Freundlichkeit und Gastfreundschaft.

Als teilweise allein reisende Frau standest du aber auch immer wieder vor Herausforderungen. Was hast du als besonders schwierig erlebt?

Schwierig war, dass sich iranische Männer meistens für uns verantwortlich gefühlt haben. Sobald wir ihre Gäste waren, durften wir quasi nichts mehr allein machen. Ihre Frauen haben nicht interveniert, denn für sie ist das normal. Das ist lieb gemeint; für uns, die wir selbstbestimmt unterwegs sind, aber nicht einfach. Wir haben gelernt, uns darauf einzulassen. Und wenn nicht, sind wir weitergezogen.

Viele Frauen meiden den Iran wegen der islamischen Kleiderordnung. Wie war das für dich?

Kopftuch tragen ist für Frauen ein Muss. Das war für mich nicht nur gewöhnungsbedürftig, sondern nervig. Aber es gehört nun mal zu den Spielregeln im Land. Eine Frau sagte mir, ich solle das Tuch als modisches Accessoire sehen, aber mir hat das nicht geholfen. Für mich war das Kopftuch ein notwendiges Übel. Immer, wenn es möglich war, hab ich es sofort abgesetzt. Dagegen fand ich es nicht schlimm, lange Blusen zu tragen.

 iran reisen

 Schulklasse auf dem Meydan-e Iman in Isfahan. Fotos: Iris Lemanczyk.

 

Beim Lesen deines Buchs fallen die vielen wundervollen Begegnungen mit den Menschen auf. Bist du besonders kontaktfreudig oder die Menschen so offen?

Beides. Ich komme schnell mit Menschen in Kontakt. Im Iran reicht aber oft ein Lächeln oder ein offener Blick, dass du angesprochen wirst. Die Iraner freuen sich nämlich, dass man ihr Land besucht. Gleichzeitig wissen sie, dass der Iran in der Welt kein allzu gutes Image hat. Sie wollen den Besuchern zeigen, dass Politiker und Mullahs für das schlechte Image zuständig sind, dass die Iraner aber ganz anders sind. Darum wollen sie, dass sich Besucher in ihrem Land wohlfühlen.

Wie hast du denn die Leute kennengelernt?

Auf unterschiedlichste Weise: Taxifahrer haben uns zu sich nach Hause eingeladen. Oder ich wurde bei einer Moscheebesichtigung von einer Studentin angesprochen, nach ein paar Minuten Smalltalk lud sie uns zu sich zum Abendessen ein. Oder wir sassen mit anderen Iranern während einer Höhlenbesichtigung in einem Boot – und wurden zum Essen eingeladen. Iraner fühlen sich daheim am wohlsten, weil sie sich dort kleiden können wie sie sollen und reden können was sie wollen, weil sie sich Zuhause frei fühlen und sich nicht verstellen müssen. Deswegen geht man selten ins Restaurant, sondern lädt Leute zu sich ein.

Der enge Kontakt mit den Einheimischen verändert auch den Blick auf die Heimat. Wie hat sich dieser bei dir verändert?

Wir können uns hier frei bewegen, unsere Meinung auch in der Öffentlichkeit äussern, wir können Kritik an der Regierung, an unseren Volksvertretern üben, dies ist für uns selbstverständlich. Was für ein hohes Gut das aber ist, wird einem nach einer Reise in den Iran bewusst.

 

 Berg-Alamut

Der Berg Alamut im Nordwesten des Irans.

In den insgesamt 2 Monaten bist du ziemlich herumgekommen. Wo hat es dir besonders gut gefallen?

Das Land ist zu gross und ich reise zu langsam, um auch nur annähernd jede Ecke gesehen zu haben. Landschaftlich hat es mir im Kurdengebiet sehr gefallen, die Ursprünglichkeit, die hohen, schneebedeckten Berge, pures, wildes Kurdistan. Aber auch in Dasht-e-Kavir, in der grossen Wüste mit dem gigantischen Salzsee. Leere, Weite, Stille, ich mag das. Meine Lieblingsstadt ist Isfahan mit dem Meydan-e-Iman, einem der schönsten Plätze der Welt. Das ist 1001 Nacht. Abends über die jahrhundertealten, kunstvollen Brücken zu schlendern und ein Safraneis zu genießen, ach…

In deinem Buch schreibst du von Ehe auf Zeit, den komplizierten Höflichkeitsritualen und Autofahren als Freizeitbeschäftigung. Was hat dich im Iran am meisten überrascht?

Ich glaube, am krassesten fand ich den gewaltigen Unterschied zwischen öffentlichem und privatem Leben. In der Öffentlichkeit sieht man eine wogende Menge von schwarzen Tschadors tragenden Frauen, von denen man denkt, dass sie extrem konservativ sein müssen. Was zugegebenermaßen ein Vorurteil ist. In ihrer Wohnung kommen die gleichen Frauen einem lachend in Miniröcken und Tops entgegen, sind offen und neugierig.

Aller guten Dinge sind drei: Wann geht es für dich zum nächsten Mal in den Iran?

Ich werde 2019 wieder in den Iran reisen. Schliesslich will ich meinen Freunden das Buch vorbeibringen. Durch die angespannte wirtschaftliche Situation müssen sie dort momentan sehr einfallsreich sein, um über die Runden zu kommen. Mehdi hat mir erst neulich geschrieben, dass er mit Freunden eine Sightseeing-App für Besucher entwickelt hat und jetzt zusätzlich zu seinem Job als Englischlehrer noch Touristen durch Tabriz führt. Er wolle mir die Tour zeigen, denn wir hatten uns bei meinem letzten Besuch schon darüber Gedanken gemacht.

 

 Quelle: https://weltreiseforum.com

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